Der Erlkönigzyklus basiert auf Goethes berühmtem Gedicht und besteht aus drei Installationen: „Shivas Altar“, „Armeen der Nacht“ und „Eiszeit“. Eine kürzere Version von „Shivas Altar“ wurde 2005 auf Omniart, Art Basel/Miami vorgestellt.

In „Shivas Altar“ wird der Erlkönig als Allegorie des Todes mit dem hinduistischen Gott Shiva gleichgesetzt. Shiva ist der kosmische Tänzer, Reiniger des Karmas (als solcher wird er jährlich in Varanasi, Indien gefeiert) und Gottheit des Feuers (Agni) und des Schlafes (Indra). Er verkörpert aber auch die Zerstörung, die der Erneuerung vorausgeht. Seine Konsortin, die dunkelhäutige und mit Totenköpfen behangene Kali, ist Shakt: Mit ihrem (Menstruations-)Blut vitalisiert sie als weibliche Gottheit Shiva und belebt so den Kosmos. Kali verkörpert als Hüterin der Schlachtfelder und der Einäscherungsstätten den destruktiven und blutrünstigen Aspekt der Mahavedi, der großen Göttin. So tanzt sie in der Anordnung der Fotografien, die den Altar bilden, sowohl über den Portraits junger Männer, den „Söhnen“, als auch über den Köpfen zweier Generäle des verlustreichen amerikanischen Bürgerkrieges. Kali ist eingerahmt von Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges..

Wie Goethes Gedicht ist auch „Shivas Altar“ dualistisch aufgebaut. Fotografien von jungen, tätowierten Männern, von Mitgliedern des Batwa-Stammes (Pygmäen) aus dem Kongo sind Bilder von Vaterfiguren wie Kaiser Wilhelm II gegenübergestellt. Der Vater, der die Todesahnung seines Sohnes nicht ernst nimmt (hätte er sonst nicht angehalten und sein Kind zu schützen versucht?) und verharmlost („Nebelstreif“), lässt ihn somit in seiner Verzweiflung und Angst allein und gibt ihn preis. In seiner Bevormundung gibt sich der Vater als Patriarch zu erkennen. Die Installation „Shivas Altar“ zeigt historische Parallelen auf. Der Erlkönig ist das, was heute geschieht. Die zerstörerische Machtentfaltung des Patriachats zeigt sich in der Ausbeutung durch den Kolonialismus, in den Exzessen der Globalisierung, in der Zerstörung der Natur und schlussendlich in dem Verrat der Väter, die die Söhne in den Krieg schicken. Dem Hinduismus zufolge leben wir im Kali Yuga, dem Zeitalter, in dem die Welt von Zwist, Gier und Kampf regiert wird.

Kunst soll relevant sein, der Wahrheitsfindung dienen und die Empathie der Betrachter wecken. Ich möchte mit meinen Installationen und der von mir entwickelten Bildsprache an der Entstehung einer Integralkultur im Sinne Ken Wilbers beteiligt sein: einer Kultur, die Körper, Intellekt, Geist und Seele in einem „spectrum of conciousness“ erfasst und so zu einer zeitlosen Meta-Ethik vordringt, die auf Mitgefühl beruht und von Toleranz und Pazifismus geprägt ist.